Apicius

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Das Lokal sieht nicht übel aus, klein aber neu, sauber, viel dunkles Holz. Abgetrennten Raucherbereich gibt’s keinen, und dass nun in dem einzigen Raum neben dem Essen gepofelt wird, mindert die Qualität des Ambientes doch deutlich.
Ich begnügte mich mit einem einzigen Gericht, Gjuvetsche, laut Karte ein „Tontopf mit Wurst, Zwiebel, Schafkäse, Ei, Tomaten, Paprika, Pfefferoni“. Von den Pfefferoni war allerdings nichts zu sehen, geschweige denn zu schmecken, dafür gab es, was die Karte verschwieg, Zuchtchampignons, deren modriger Geschmack mir persönlich ein Gräuel ist. Zudem litt das Gericht unter einem Exzess von Salz und Essig.
Ich hoffe, dass die Qualität dieses Gerichts nicht repräsentativ ist für die ganze Karte, die Mühe, es zu überprüfen, werde ich mir aber nicht antun. Kann nur die letzte Zeile des Erstbewertungs-Haikus variiert wiederholen: Leider nicht zu Unrecht nicht so bekannt.
Gestern Abend vergönnte ich mir eine Knoblauchcremesuppe, herrlich cremig-schaumig, tadellos abgeschmeckt, mit gerösteten Weißbrotwürfeln. Auch die Calamari vom Grill (Tagesangebot um 11,90) sehr gut, gerade so, dass die Fangärmchen leicht knusprig waren. Die inkludierte Salatgarnitur aus Rucola, Endivie, Kirschtomaten, Oliven und Kapern, mit Balsamico und Olivenöl, gab keinen Grund zur Klage. Ebenso wenig das separat georderte frische Pizzabrot.
Meine persönlichen Favoriten von den vorangegangenen Besuchen: Die im Ganzen mit Zitronenspalten und Rosmarinzweig gebratenen Fische (Branzino, Orata), sowie Spaghetti Carbonara, puristisch ohne Obers, nur mit rohem Ei bereitet. Für den ganz kleinen Hunger oder als Weinbegleitung kann man auch eine Focaccia ordern, eine Art apulische Minipizza nur mit Rosmarin und Olivenöl.
Erfreulich die Weinauswahl: Neben der Pizzeria-Einheitstrias Chianti/Valpolicella/Lambrusco gibt es mit dem samtigen roten Cannonau und dem spritzigen weißen Vermentino zwei Highlights des sardischen Weinbaus, beide von der Paradekellerei Sella&Mosca in Alghero.
Untadelig auch der Kaffe von Segafredo, ebenso die Grappa und der Limoncello, die es oft auch als Geschenk des Hauses gibt.
Zeit sollte man allerdings schon haben, die schnellsten sind sie nicht im Castello. Auch lässt das aus unerfindlichen Gründen häufig wechselnde Servierpersonal manchmal sowohl fachliche Kompetenz als auch Sprachkenntnisse missen.
Summa summarum jedenfalls eine empfehlenswerte Adresse in Baden.

So ist es leider. Die Küche war im Sommer in der Tat nicht immer auf der Höhe, wenn mir auch so drastische Erfahrungen wie von dir geschildert erspart geblieben sind. Mittlerweile haben sie einen neuen Koch aus Sardinien, ich hoffe der bleibt eine Weile.

Ich bin ja froh, wenn sich Lokale das Feedback zu Herzen nehmen, wir hatten wohl einen ganz miesen Tag erwischt. Trotzdem, ein schlechter Eindruck ist ganz schwer wieder wett zumachen.

Florenza ist mir in 20 Jahren zwischen Brenner und Ätna keine untergekommen, eine Fiorenza kenne ich und eine Lorenza, aber man lernt eben nie aus... die Truppe dort stammt aber sicher nicht aus Süditalien, dort hätten die nicht lange überlebt. @Magic: Was du nicht sagst :-) ich schaff das auch nicht ohne Eier, aber die Lebensmittelindustrie wird uns aus der Zwangslage sicher noch befreien... spätestens wenn der Mitterlehner das TTIP unterzeichnet hat.

Florenza ist ein süditalienischer Nachname. Ändert aber natürlich nichts an der geschmacksbefreiten Erfahrung.

neben den unvermeidlichen Eiern in der Bauernomelette wiederfand Bei mir lassen sich die Eier in einem Omelette auch nie vermeiden. :-)
"Die vier Elemente – Erde, Feuer, Wasser und Luft – als Ursprung und Anfang allen Lebens, geben hier den Ton an..." So steht es auf der Homepage. Ich persönlich betrachte derartigen esoterischen Mumpitz, der vor allem im Wellness-Bereich immer skurrilere Blüten treibt, als entbehrlich, aber vielleicht gibt es ja Leute, die auf den zeitgeistigen Verkaufsschmäh anspringen.
Wie dem auch sei, kommen wir zur Sache: Das Interieur ist trendig-schlicht, sehr hell und freundlich, die Ruhe des großzügigen, mit allerhand exotischem Pflanzenwerk bestandenen Gastgartens wird nur durch das gedämpfte Rauschen – nicht des Wörthersees, sondern der hinter einem Waldstück vorbeiführenden Eisenbahn - geringfügig gestört.
Den sommerlichen Temperaturen entsprechend, ließ ich mir einen leichten Aperitif empfehlen, einen Gurkenspritzer, das ist ganz einfach Weißwein mit Soda, Gurkensirup, leicht gesüßt, schwarzer Pfeffer, und mit zwei Gurkenscheiben garniert. Originell und stimmig.
Bereits der Gruß aus der Küche zeigte, dass man sich im Balance nicht lumpen lässt: Die Barbarieentenbrust auf Glasnudeln erwies sich als wahres Aromafeuerwerk, in dem Sojasauce, Koriander, Chili und diverse süße Aromen eine ausgewogene Balance bildeten. Man hatte sich sogar die Mühe gemacht, ein dekoratives, gerade zentimetergroßes Knäuel Endiviensalat mit einer süßen Marinade zu versehen.
Die „Scheiben vom Kärntner Almochsen mit Schalottenvinaigrette und Bergkäse“ erwiesen sich als nobles Understatemant, denn dass es dazu dazu geviertelte Kirschtomaten, Rucola und auch noch eine Art knusprige Mini-Focaccia mit liebevoll drapierten Büschelchen Kresse und Rotkraut gab, ließ die Karte unerwähnt.
Nachdem der mineralische, knochentrockene, fast chablisartige Veltliner von Heiderer-Meyer (Baumgarten am Wagram) 2013 bereits während der Vorspeise der Schwerkraft gefolgt war, durfte dem nun folgenden Fisch ein herrlich grasig-stachelbeeriger Sauvignon Blanc von Sabathi 2012 das letzte Geleit geben. Die vorzügliche ganze Reinanke wurde vom Ober vor meinen Augen auf einem eigens zu diesem Behufe herbeigetragenen Beistelltischchen gekonnt filetiert. Nach alldem nahm sich die Beilage, Grillgemüse in Form von Paprika, Zucchini, Eierschwammerln und Champignons direkt schlicht aus.
„Ein Mahl ohne Käse ist wie eine einäugige Geliebte“, wusste schon Brillat-Savarin zu bemerken, also ran ans Käsebuffet, das vom ätherischen Schnittlauchfrischkäse über Bergkäse und Camembert bis zur blauschimmel- und rotschmiereschwangeren Stinkbombe keine Wünsche offen ließ. Dazu passte vorzüglich ein schlanker, kirschfruchtiger Zweigelt, ebenfalls von Heiderer-Meyer.
Besonders Anerkennung darf ich auch den charmanten und trotz gutem Besuch flotten Service zollen. Fragen zu den Weinen und Speisen wurden wie aus der Pistole beantwortet, auf Wunsch gab es frischen Pfeffer aus der Mühle. Und auch der Rotwein war trotz der Sommerhitze perfekt temperiert, was selbst in anderen haubengekrönten Lokalitäten beileibe keine Selbstverständlichkeit ist.
Alles in allem scheint mir die gegenwärtige Gault-Millau-Bewertung von 13 Punkten stark untertrieben.
Ich begann den kulinarischen Reigen mit einer Liebstöckelsuppe, intensiv und cremig-schaumig, mit seperat dazu gereichtem knusprigen Steinpilzstrudel.
Das „Im Ganzen, rosa gebratene Rehnüsschen mit Pilzen, Dirndlsauce und Sauerrahmknödel“ erwies sich als turmartige Konstruktion: Der zylindrische, flaumige Knödel diente als solide Basis für das zarte Reh, dass sodann gekrönt wurde von wahren Prachtexemplaren von geviertelten, ebenfalls im Ganzen gebratenen Steinpilzen.
Die allen überkommenen Klischees von haute cuisine widersprechenden üppigen Portionen ließen zunächst mal einen Verdauungsschnaps, eine vorzügliche Vogelbeere, angeraten scheinen, dem Waldmeistereisparfait mit Erdbeeren konnte ich dann doch nicht widerstehen.
Alles in allem ein gelungener ausgedehnter Samstagmittag, der sympathische Familienbetrieb befindet sich in Höchstform, die zweite Haube ist mehr als verdient. Von der kompromisslosen Qualität der Zutaten, die fast ausschließlich aus der Region stammen (die Speisekarte listet die Lieferanten penibel auf), über die meisterhafte, punktgenaue Zubereitung und optische Präsentation der wohldurchdachten kulinarischen Kompositionen bis zum charmantem Service passt einfach alles.
Erfreulich die Softdrinkauswahl in Form von erfrischenden, hausgemachten Limonaden. Ich vergönnte mir eine Hibiskus-Ingwer, die in einem Fläschchen nebst eiswürfelgefültem Glas kam. Dann von der Tageskarte eine Avocadocremesuppe mit Mais um wohlfeile 1,80, geschmacklich einwandfrei, nur war der Suppenkessel anscheinend angesichts der fortgeschrittenen Mittagsstunde (13.45) schon etwas ausgekühlt. Das dünn geschnittene Ribeye-Steak war gewiss nicht das Beste, was man unter diesem Titel in Wien bekommen kann, für 9,90 aber OK. Das dazu servierte Grillgemüse war mir zu penetrant rauchig. Sodann zum Dessert Churros, (Brandteigstangen) heiß, fett und süß, ohne wesentliches Eigenaroma, dafür waren die Mango- und Schokodips zuständig. Sensationell der Espresso, mit dichter Crema und intensiven Röstnoten.
Etwas derangiert zeigte sich das an sich freundliche, adrette Personal, obwohl es gegenüber den Besuchern nur geringfügig in der Unterzahl war. Besteck musste extra geordert werden, mein Begleiter erhielt sein Steak vor der Vorspeise (Tortillas mit Dip), ebenso den Kaffee vor dem Dessert.
Fazit: Das Lokal hat durchaus Potential, die hohen Vorbewertungen kann ich indes nicht ganz nachvollziehen.
Der Gasthof Schreiber liegt gleich vis-a-vis vom Bahnhof, auf dessen mächtigem Aufnahmegebäude zwar weithin sichtbar das alte ÖBB-Logo prangt, zu dem allerdings schon längst keine Schienen mehr führen. Von einem ortsansässigen Bekannten begleitet, der schon als Knabe mit seinem Opa gern hingegangen ist, betrete ich die großzügige Wirtsstube mit dem wuchtigen Holzgebälk am Plafond und ordere ein Krügel Reininghaus Pils (Alternative wäre Gösser gewesen)
und die Karte. Weingartenknoblauchsuppe, cremig-harmonisch mit knusprigen Weißbrotwürfeln, dann auf Empfehlung des Chefs ein Hirschsteak, perfekt medium gegart, zart, kurzfaserig und aromatisch, in der klassischen Grünpfeffersauce, Speckfisolen und – was auf den ersten Blick panierte Mostbirnen zu sein scheinen – Kroketten in unkonventioneller Form, denen man als „Stängel“ Gewürznelken verpasst hat. Origineller Gag. Ein vorzüglicher Birnenschnaps rundete das erfreuliche Sonntagsmahl schließlich ab. Auch mein Begleiter zeigte sich höchst zufrieden mit Leberknödelsuppe und Tafelspitz.
Die reichhaltige Weinauswahl (aus der Gegend), die vielversprechende Nachspeisenkarte und nicht zuletzt das flotte und freundliche Service werden mich wohl alsbald zu einem neuerlichen Besuch verleiten.

cmling: lieber Gewürznelken, als gar kein Blumenschmuck! ;-)

Und wenn man boshaft ist, könnte man fragen, wozu sie dient?

wooh, wie originell. Haben eine Gewürznelke selbst reingesteckt.....
Das an sich geschmackvolle Jugendstilinterieur könnte eine Renovierung vertragen, zumindest den Maler könnte man wieder mal kommen lassen. Etwas wohnlicher zeigt sich der als Raucherbereich fungierende Wintergarten, allerdings mit Ausblick auf die Verkehrshölle Mariazeller Straße. Ruhig dagegen der hofseitige Garten neben dem eigenen Parkplatz.
Die Küche bietet die üblichen Wirtshausstandards und Wochentagsmenüs um EUR6,40, die sich ab und an aus dem Mittelmaß der Systemgastronomie erheben: So unlängst eine schön rauchige Rollgerstlsuppe mit Selchfleisch und einen Stephanibraten, gefüllt mit Ei und Frankfurter Würstel. Auch ein Hirschgulasch ist mir noch erinnerlich, an sich tadellos bis auf die unsachgemäß aufgewärmten und somit mikrowellengehärteten Serviettenknödel. An Nachspeisen kann man sich an Palatschinken und Mohr im Hemd delektieren, vor dem zeitweilig mit Tischaufstellern beworbenen armenischen Honigkuchen Marlenka hüte man sich hingegen, das ist aromafreie, picksüße Industrieware, anscheinend ein kulinarisches Relikt aus der verblichenen Sowjetunion.
Der interessanteste Aspekt des Lokals ist allerdings eine Auswahl von Weinen aus - man glaubt es kaum - Tschechien! Die Biertrinkernation Nr.1 besitzt im Elbtal nördlich von Prag und in Südmähren zwei kleine, aber hochwertige Weinbaugebiete. Aus letzterem stammen auch die hier gereichten Kreszenzen: Ein aus der Rebsorte Dornfelder gekelterter vollmundiger, samtiger Roter mit herrlichem Abgang und ein Grüner Veltliner, der sich deutlich säureärmer und extraktreicher, mit schönen „Kirchenfenstern“, präsentiert als die meisten seiner Weinviertler Nachbarn.
Was das Service wirklich draufhat, erfährt man erst, wenn die Bude voll ist, und das habe ich dort noch nie erlebt, obwohl die Küche, wenn auch nicht haubenverdächtig, nicht schlechter ist als im „Roten Hahn“ oder im „Graf“, die beide ständig förmlich überrannt werden. Da es immer freundlich und zur Stelle war, scheinen mir vier Sterne dennoch angebracht.

Schlechte Nachrichten: Der gute tschechische Wein ist ausgesoffen (was zum erhebliche Teil mein Verdienst war) und wird erst im Jänner wieder geliefert :-(

Ich kann kein Chinesisch!

@Schllitzauge: Feichang ganxie!
Als Gruß aus der Küche kam, bald nachdem wir bestellt hatten, eine etwas wässrige, in der Mokkatasse servierte Steinpilzconsommé, Ganslschmalz, Butter und frisches Gebäck. Sodann wählte ich Erdäpfelmousseline mit großzügig daraufgehobelten Albatrüffeln, anschließend Lammrücken mit Polenta und Sojagemüse, meine Begleitung Ganslsuppe, sodann Perlhuhnbrust mit Gänseleber und Rahmtagliatelle. Alles ganz in Ordnung, lediglich das Lamm etwas zäh. Nach den nicht eben gargantuesken Ausmaßen der Portionen fassten wir noch ein Dessert ins Auge, verwarfen die Idee aber schließlich, da sich im Garten über eine halbe Stunde kein Personal blicken ließ, was auch bei den anderen Gästen allmählich Unmut erregte. Unseren ziemlich gestressten Kellner fand ich dann nach längerer Suche im Inneren des mittlerweise vollen Lokals und teilte ihm den Wunsch nach der Rechnung mit, dem er nach der Bemerkung „er habe Seminargäste“ und einer weiteren Viertelstunde schließlich nachkam.
Dem bemüht wirkenden Personal sind diese skandalösen Zustände gar nicht so vorzuwerfen wie der Geschäftsführung, die es verabsäumt, an einem erwartungsgemäß gut frequentierten Tag selbiges adäquat zu verstärken, zumal sich der Großteil des Publikums aus Seminargästen rekrutierte, die ja wohl nicht unangemeldet gerade reingeschneit waren.
Auf den Chef musste ich allerdings nicht lange warten, der, vom Kellner in erstaunlicher Eile (angesichts des eben Erlebten) von meiner diesbezüglichen Beschwerde unterrichtet, mit aufgezwirbeltem Schnauzer sogleich im Stechschritt angestiefelt kam wie ein k.u.k. Dragonermajor, sich vor mir aufpflanzte und – sich nicht etwa entschuldigte – sondern im Kasernenhofton vermeldete, es sei ohnedies ein Entgegenkommen, dass er den Garten im November noch aufsperre, wenn dies nicht geschätzt würde, würde er es in Hinkunft unterlassen. (?!?)
Trotz der untadeligen, wenn auch teuren und mehr mit luxuriösen Zutaten als originellen Ideen protzenden Küche und des idyllischen Ambientes ist der Besuch dieser Location nur jenen anzuraten, die viel Zeit haben und vielleicht ein Relikt altösterreichischer Wirtenpräpotenz (der Friedrich Torberg in seiner „Tante Jolesch“ ein eigenes, höchst amüsantes Kapitel gewidmet hat) erleben wollen. Ich kann dieser albernen Farce letztlich einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen, ein zweites Mal ist sie mir aber sicher keine 100 Euro für zwei Personen mehr wert.

Vielen Dank für diesen umfassenden Erfahrungsbericht. Schade, dass du so schlechte Erfahrungen dort machen musstest. Wir hatten erst überlegt dem Lokal einen Besuch abzustatten, werden nun aber noch auf die Eine oder Andere Bewertung warten bevor es soweit ist.

Irritierend ist der treffende Ausdruck; der gute Mann wird wohl auch schon bessere Tage gehabt haben.
Im Sommer ist der mittags sonnseitig auf der Straße gelegene Schanigarten allerdings nur für Hartgesottene ratsam.
Zum Kulinarischen: Empfehlenswert sind die um 6 EUR wohlfeilen gutbürgerlich-soliden Wochentagmenüs. Heute gab es zum Beispiel Karfiolcremesuppe und Erdäpfelgulasch mit Dürrer, dem ich noch ein Paar Böhmische Palatschinken mit Mohn-Powidlfülle und sämiger Vanillesauce nachschoss. Man ist im Weinstadl aber à la carte auch zu Anspruchsvollerem fähig, gerade jetzt zur Wildsaison: Das gestrige Rehschnitzel in Mandelpanier, schön zart und dünn geklopft mit Preiselbeerbirne und Erdäpfelsalat (mit rotem Zwiebel) ist mir noch in angenehmer Erinnerung. Ein persönlicher Tipp: Das Blunzengröstl mit frischem, tränentreibenden Kren, das dem Meixnerschen in nichts nachsteht, außer im Preis!
Bier vom Fass gibt es von Hirter, ab und an auch Löwenbräu. Hinsichtlich der Weinauswahl wird das Lokal seinem Namen mehr als gerecht: Ein gutes Dutzend offener Österreicher, großteils Raritäten abseits des Supermarkt- und Promiwinzer-Mainstreams, von Sämling und Blauburger bis zu Uhudler (halt ich persönlich nicht aus, kommt mir vor wie eine Mischung aus Nagellackentferner und Batteriesäure, aber er hat seine Fans…) und Schilcher. Besonderes Schmankerl: Die Kapazundercuvée aus Zweigelt und Wildbacher, aus dem normalerweise der Schilcher gekeltert wird, der bei entsprechendem Ausbau aber auch einen samtigen Rotwein hergibt.
Ein charmanter Stilbruch ist der bayrische Oberkellner Schorschi, der in seiner Krachledernen wie dem „Bullen von Tölz“ entstiegen wirkt, ab und an etwas linkisch, aber im Regelfall zur Stelle, wenn man ihn braucht. Seiner Initiative ist auch der fallweise Sonntags stattfindende Weißwurstfrühschoppen (normalerweise ist So Ruhetag) zu danken.
Der Favoritner Weinstadl ist vielleicht keine längere Anreise wert, einen Umweg aber allemal. Auf jeden Fall eine erfreuliche Erscheinung in einer gastronomisch schwach bestückten Region.
Da der vordere Schankraum bereits voll war, bequemte ich mich im Hinterzimmer an ein Katzentischchen zwischen Klotür und Sicherungskasten.
Ich vergönnte mir nebst einem gut gezapften Budweiser einen Spanferkelbraten, der sich in einem gschmackigen (wenn auch vermutlich leicht convenienceunterstützten) Saftl, in Form von drei mageren, dünn geschnittenen Medaillons präsentierte, was das leidige Problem bei diesem Gericht, der knusprigen Schwarte zuleibe zu rücken, auf ein Minimum reduzierte. Sein letztes Geleit erhielt das so jung verstorbene Borstentier von eher neutralen Serviettenknödeln und warmem Krautsalat, der mir persönlich eine Spur zu süss war.
Nicht zu süss war hingegen die folgende Nougatmousse, wodurch das Nussaroma hervorragend zur Geltung kam, schön kontrastiert von mild-säuerlichem Beerenragout und einem Batzen Marillenmarmelade.
Dass die Stärke des Lokals in den Nachspeisen liegt, zeigte sich mittwochs darauf nach einem eher belanglosen Mittagsmenü (Nudelsuppe, Faschiertes mit Reis in einer Sauce, die jener des Spanferkels verdächtig ähnelte) anhand einer Riesenportion locker-flaumiger Powidlbuchteln in schaumig aufgeschlagener Vanillesauce, bei der der Koch auch mit dem Rum nicht gegeizt hatte.
Unspektakuläre, aber solide Wiener Küche zu einem moderaten Preis und mit auch bei Vollbetrieb flottem und charmantem Service.

Tip von mir: Öfter hingehen und die Konstanz in der Qualität feststellen. Mein Bericht folgt im November nach dem Ganslessen ;o)
Umso erfreulicher jede kleine Insel des guten Geschmacks, die aus dieser Ödnis herausragt. Ich betrete also mittwochs gegen halb zwei die Lobby des Hotels Rainers und peile zielstrebig die Restauration an. „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“ – „Ja, ich möchte mittagessen!“ Dass sich neben den Hotelgästen Leute von auswärts in die Restauration verirren, daran muss sich das Personal offenbar erst gewöhnen, da die Küche vor der Bestellung des Puck-Schülers Michael Köberl im Mai nicht wirklich einen Besuch wert war, wie ich gelegentlich feststellen durfte.
Gemütlich ist es nicht gerade hier drinnen. Nackte weiße Wände, schwarze Kunstlederbestuhlung, giftgrüne Vorhänge nebst ebensolchen Vorhängen und Hängelampen (offensichtlich dem Lokalnamen geschuldet) vermitteln den Eindruck einer Spitalskantine. Und dass die Putzfrau in der angesichts der fortgeschrittenen Mittagsstunde außer meiner Person bereits leeren Restauration während des Hauptganges die Aufwartung macht, trägt auch nicht wirklich zur Behaglichkeit bei.
Indes: Ein Restaurant ist zum Essen da, nicht zum Anschauen. Ich bestelle drei Gänge nach der Karte, ein Mittagsmenü gibt es nicht. Unspektakulär das Gedeck: Frisches Weiß- und Schwarzbrot nebst Butter. Unter dem Titel „Die zwei vom Ei“ folgt sodann ein Stundenei auf Süßkartoffelpürree und ein gebackenes Ei mit Petersilienfritt. Daran gibt es nichts auszusetzen, auch nichts Herausragendes zu berichten.
Der Höhepunkt des Mahles war, wie es sein sollte, der Hauptgang: Ein formidables Kabeljaufilet, im Wok mit einer knusprigen Kruste versehen, die zu durchdringen mit dem Fischmesser nicht ganz einfach war, was den aufmerksamen Ober bereits im Vorfeld veranlasste, mich zusätzlich mit einem Standardmesser auszustatten. Die Etikette des Fischmessers ist bei festfleischigen, filetierten Meeresfischen generell hinterfragenswert, sei an dieser Stelle angemerkt. Seine vorletzte Ruhestätte fand der Fisch in einem Chilichutney, das mit einer üppigen Geschmacksfülle aus erfrischender Säure, vollmundiger Süße, dezenter Schärfe und asiatischen Kräuteraromen überraschte, gekrönt wurde er von einem Knäuel trockener Glasnudeln.
Zum Abschluss bildete „Rainers Schokokuchen“, etwas speckig, doch sehr intensiv, liebevoll garniert mit einer Kugel Walnusseis, Himbeeren sowie Heidelbeeren in Sauerrahm einen harmonischen Schlussakkord.
Zu kritisieren sind die recht geschmalzenen Weinpreise ab 5 EUR pro Achtel für sattsam bekannte Wachauer und Südsteirer, sowie das Fehlen einer Käseauswahl. Erfreulich hingegen die kurzen Wartezeiten und die reichlichen Portionen.
Man findet im Verde nicht die Wirtshausgemütlichkeit des Meixner, auch nicht die schöne Aussicht des Turm, kulinarisch hat das Haus unter dem neuen Küchenchef durchaus das Potential, zu den beiden Favoritner Platzhirschen aufzuschließen. Preislich hat es das schon ;-)

Das Lokal heißt laut Personal immer noch "Verde", was die Homepage geflissentlich verschweigt.

Es herrscht in der Tat eine gewisse Konfusion über den Lokalnamen: Im Internet scheint es neuerdings als Rainers Restaurant auf, während beim Eingang noch monumental der Name "Verde" prangt. Werde versuchen, das beim nächsten Besuch zu klären.

Sehr treffende Bewertung. Ich war selber vor einer Woche dort und war ebenfalls sehr angetan von der Küche. Bewertung habe ich keine geschrieben, aber eingetragen habe ich das Lokal als.“Rainers Restaurant“. Es ist also doppelt erfasst, lieber admin, vielleicht lässt sich das korrigieren?
Fazit: Ambitionierte Küche, die durchaus stellenweise handwerkliches Können und originelle Ideen zeigt, aber auch noch einige Schwachstellen aufweist.

Danke für Dein Feedback, mach ich gerne. Hätte auch eine Bitte: Beschäftige dich etwas mit der Orthographie unser Muttersprache, sonst bekomme ICH den Silberblick ;-)
"Haiku" ist genial.